Auf das Teil warten bestimmt schon so einige von euch Sehnsüchtig :)
Ltd Ed Digipack incl. 8 Track Bonus CD and Hidden Track
(Noise Art) 9/10
Ja, da sind sie wieder, und wie! Diesmal gehen sie eindeutig aufs Ganze. Keine andere Viking Metal-Band polarisierte 2010 wohl so heftig wie die frechen Coburger Dickschädel. Und ganz nach dem bekanntlich ergiebigen Motto „Jetzt erst recht!“ machten sich die hungrigen Durchbeißer noch fester verschweißt ans dritte Album. Als trotzig kanalisiertes Resultat aller widrigen und förderlichen Umstände treffen die Kompositionen von „Wolfskult“ überraschend gut ins Schwarze. Und dies gilt hier auch für lyrische Belange. Texte also, deren verdammt aufmüpfig und grimmig von Freki besungene Inhalte sich durch gut verständliche Vokalisierungen auch vollends erschließen. Typischen Wikingermetall-Thematiken wird nur noch vereinzelt gefrönt, denn erstaunlich offenherziger Realismus behält auf „Wolfskult“ die wortreich anführende Oberhand. Noch viel melodischer als jemals bei Varg zuvor und dabei zuweilen auch noch angenehm hocheingängig erdonnern die neuen berserkerischen Schlachtenlieder. Ungeheuerlich druckvoll und riesenhaft monumental von Regler-Profi Andy Classen produziert, lässt diese ungemein explosiv bollernde Veröffentlichung soundtechnisch wirklich keinerlei Wünsche übrig. Einer von gleich mehreren Höhepunkten an sich ist das zweite entschlossene programmatische Kämpferstück „Wir sind die Wölfe“: Ein wirklich gewaltig anschiebender Hammersong, welcher sich sicherlich zur Varg-Hymne an sich entwickeln wird. Klingt stellenweise doch glatt wie Amon Amarth während ihrer famosen Anfänge. Unweigerlich mitreißend ist auch der ebenso brachial gehämmerte und mordsbissig geriffte als auch dazu noch vollmelodische Titelsong „Wolfskult“, dessen exquisite Leadgitarren-Partituren einen dauerhaften Hochgenuss darstellen. Überhaupt, spätestens jetzt fällt prägnant auf, dass die große Stärke der Platte eindeutig darin liegt, unverkrampft, unverblümt und völlig schnörkellos auf den Punkt zu knallen.
Verdeutlicht wird das vom fünften Midtempo-Nordkracher „Naglfar“, welcher wirklich extrem düster und unglaublich rigide einher kracht. In strahlend feierliche Gefilde driften Varg im Weiteren mit dem nächsten Notenschlag, dem beschwingten und hitverdächtigen Gassenhauer „Glorreiche Tage“. Und der erinnert mich erneut an Amon Amarth, wie sie auf ihrem glanzvollen Meisterwerk „Sorrow Throughout The Nine Worlds“ klangen. Ein abermaliger absoluter Volltreffer! Ein Song, welcher mit seiner wohltuend flüssigen Strukturierung neben trutzig geschlagenen Doppelfuß-Trommelattacken und dem herrlichem Refrain gleich reihenweise Bierfässer tosend zerplatzen lässt! Erneut sehr gut getextet ist dieses grenzenlos wuchtige, Seelen befreiende Gute-Laune-Lied ebenfalls, welches mir nicht wenig Lebensmut zu geben imstande ist. Die im Weiteren folgende zehnminütige Übernummer „Sehnsucht“ ist trotz der gehaltvollen Songlänge ebenso abwechslungsreich und spannend ausarrangiert. Und auch interessant strukturiert, was sicher nicht einfach war. Diese verschlingend rhythmisierte Mammutkomposition bündelt die bislang entstandenen musikalischen und textlichen Qualitäten der Coburger Rabauken in eruptiv kulminierender Weise, Varg ziehen hierbei selbst bei flotter Taktrasanz alle ihrer kreativen Register. Bemerkenswert.
Dem neuen „Wolfskult“ kann mittels des regulären Albums, aber auch mit limitierter Doppelalbum-Digipak-Edition gehuldigt werden. Letztere enthält sieben zusätzliche Stücke samt einem „Hidden-Track“. Für besagte zweite CD der Digipak-Version fanden sich auch illustre Gastsängerinnen ein: Masha von Arkona (Song „Verdandi“) und Anna Murphy von Eluveitie, die ihren Beitrag hier in „Rotkäppchen“ zum Besten gibt.
© Markus Eck